Für einen Moment wird die Stille des Waldes durchbrochen. Es ist weder Wind noch ein fernes Unwetter. Es ist die Erde selbst, die zu atmen beginnt. Auf der Finca Gabellí Petit fängt der ausgetrocknete Boden an zu sprudeln, die Steine scheinen zu atmen – und in wenigen Minuten verwandelt sich der ruhige Wald in ein Labyrinth aus plötzlich entstandenen Wasserläufen. Ses Fonts Ufanes ist der Ort, an dem das faszinierendste hydrogeologische Phänomen Mallorcas zu erleben ist.
Was ist das Geheimnis von Ses Fonts Ufanes?
Dieses Phänomen zeigt sich nur nach ergiebigen Regenfällen. Ses Fonts Ufanes ist keine gewöhnliche Quelle, sondern eine intermittierende Karstquelle – eine zeitweise aktive Austrittsstelle, die nach starken Regenfällen aus dem kalkigen Inneren des Berges hervorbricht.

Wenn der Puig Tomir mehr Wasser abbekommt, als der Untergrund aufnehmen kann, läuft der Aquifer über. Das Wasser tritt zwischen Wurzeln und moosbedeckten Steinen aus, speist den Torrent de Sant Miquel und verändert die Landschaft.
Die Kraft des Wassers ist beeindruckend: Der Abfluss kann in wenigen Minuten von 0 auf 3 m³/s steigen – und manchmal Spitzenwerte von bis zu 100.000 Litern pro Sekunde erreichen.

Es ist nicht nur ein schöner Anblick: Das Wasser speist den Aquifer des Pla de Sa Pobla und trägt schliesslich dazu bei, die Feuchtgebiete der Albufera de Alcúdia mit Sauerstoff anzureichern – ein Kreislauf, der für die Biodiversität im Norden der Insel lebenswichtig ist.
Ausflug zu Ses Fonts Ufanes: Wann hingehen und was dich erwartet
Einen Besuch bei Ses Fonts Ufanes kann man nicht reservieren. Um es zu sehen, braucht es Planung – und etwas Glück. Das Phänomen ist kurz: Es kann mehrere Tage dauern oder nur ein paar Stunden. Genau diese Unberechenbarkeit macht es so besonders.

Wie triffst du den richtigen Tag?
- Das Zeitfenster: Am besten ist die Zeit vom späten Herbst bis zum frühen Frühling.
- Der Regenfaktor: Ein paar Wolken reichen nicht; nötig ist eine Phase intensiver, anhaltender Regenfälle in der Gegend um den Puig Tomir.
- Die Kontrolle: Da es keine offizielle „Ampel“ gibt, ist die beste Strategie, am Tag nach grossen Stürmen lokale Mallorca-Medien oder die Social-Media-Kanäle von Espais Naturals de les Illes Balears zu prüfen.
Was erwartet dich unterwegs?
Ein Besuch auf dem Gelände ist heute eine Möglichkeit, mit dem authentischeren Mallorca in Kontakt zu kommen. Die Balearen-Regierung kaufte das Gebiet 2005, um es zu schützen – und die Finca Gabellí Petit wirkt inzwischen wie ein Freilichtmuseum. Die 2,9 Kilometer lange Runde ist ein leichter Weg und führt vorbei an:
- Talaiotischen Spuren: Überreste der ersten Bewohner, die den besonderen (fast heiligen) Wert dieses Ortes bereits erkannten.
- Überlebens-Ingenieurskunst: Kalköfen und Kohlemeiler, die von Jahrhunderten der Waldnutzung erzählen.
- Dem Steineichenwald: ein reifes Ökosystem, in dem die Luft nach Erde und nassem Stein riecht.
„Wenn die Quellen sprudeln, wird es ein gutes Jahr“, sagen die Älteren im Dorf. Für Campanet ist es ein emotionales Zeichen: das Versprechen, dass die Wasserreserven der Insel gut gefüllt sind.

Tipps für den Besuch von Ses Fonts Ufanes
Da es sich um ein Naturdenkmal handelt, solltest du die Ruhe respektieren und auf den markierten Wegen bleiben – als Zeichen des Respekts gegenüber der Natur.
Damit dieser Ort erhalten bleibt, hat die balearische Verwaltung strenge Regeln festgelegt, vor allem an Tagen mit hohem Wasseraufkommen.
- Lage: Campanet, Mallorca (Finca Gabellí Petit).
- Schutzstatus: Naturdenkmal (50,2 Hektar).
- Route: Rundweg, 2,9 km (leicht).
- Öffnungszeiten: in der Regel 10:00–17:00 Uhr (Änderungen möglich).
- Beste Zeit: 24–48 Stunden nach sintflutartigen Regenfällen in der Serra de Tramuntana.
Zugang und Wegverlauf
- Der Zugang erfolgt vom Oratori de Sant Miquel aus, wo der gut ausgeschilderte Weg beginnt. Der Rundweg ist 2,9 km lang und sehr leicht. Er ist einfach zu folgen und wird oft von Familien gewählt.
- Die komplette Runde dauert meist etwa 45 Minuten. Wenn das Wasser fliesst, bleibt man jedoch oft stehen, um zu schauen oder Fotos zu machen – dann kann der Besuch bis zu anderthalb Stunden dauern.
- Der Schwierigkeitsgrad ist sehr niedrig, sodass auch Kinder und Menschen ohne Wandererfahrung den Ausflug voll geniessen können.
- Wichtig sind Schuhe mit gutem Profil und Kleidung, die schmutzig werden darf – Schlamm gehört bei diesem Naturschauspiel häufig dazu.
Anreise und Parken
An Tagen, an denen das Wasser austritt, kommen deutlich mehr Besucher und die Parkmöglichkeiten sind begrenzt. Plane deine Ankunft frühzeitig und informiere dich über die Parkregeln, um Bussgelder zu vermeiden.
Wenn du mit dem Auto kommst, nimm die Abfahrt Richtung Cuevas de Campanet und folge den Schildern zum Parkplatz. Denk daran: Gelbe Linien bedeuten absolutes Parkverbot – und es wird streng kontrolliert.

Ein Tipp: Parke bei den Cuevas de Campanet – dort gibt es Parkplätze. Viele verbinden beides. Wenn du ein Ticket für die Höhlen kaufst, kannst du den Parkplatz während deines Besuchs in der Regel problemlos nutzen.
Öffentliche Verkehrsmittel: Du kannst mit dem Bus bis nach Campanet fahren; von dort sind es noch 3 km zu Fuss bis zum Ziel. Eine gute Option für alle, die Slow Travel mögen und gern zu Fuss erkunden.
Häufige Fragen (FAQ)
Eine Garantie gibt es nicht. Das Phänomen setzt eine ganz bestimmte Sättigung des Aquifers voraus. Das gehört zum „Spiel“ mit der Natur.
Da es ein geschütztes Naturdenkmal ist, gibt es Einschränkungen. In der Regel müssen Hunde an der Leine geführt werden – und es gilt stets die aktuelle Regelung des Schutzgebiets.
Ganz klar: nein. Motorisierter Zugang ist nur für Verwaltung und Notfälle erlaubt. Die Erfahrung ist – und soll – zu Fuss stattfinden.
Fazit
In einer Welt, in der alles sofort verfügbar ist, lehrt uns Ses Fonts Ufanes das Warten. Es erinnert daran, wie fragil der Wasserkreislauf ist – und dass wir nur Zuschauer einer geologischen Choreografie sind, die sich über Tausende Jahre formt. Durch diesen Wald zu gehen, wenn das Wasser hervorbricht, ist nicht einfach ein Ausflug: Es ist der lebendige Puls einer Insel, die uns manchmal ihre reinste Kraft zeigt.



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